Kleine Umriß von Erfindungen, die wir Muslimen zu verdanken haben

Kleine Umriß von Erfindungen, die wir Muslimen zu verdanken haben
Huffington Post | von Sebastian Christ
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Wenn am Montagabend wieder Tausende "patriotische Europäer" in
Dresden gegen die "Islamisierung des Abendlandes" auf die Straße gehen,
dann steckt dahinter nicht nur Ressentiment und Angst, sondern auch
Unwissen.
Zum Glück ist unser mitteleuropäischer Kulturkreis schon vor
Jahrhunderten in den Genuss von islamischen Einflüssen gekommen.
Rückt ein Redner am Montagabend in Dresden seine Brille zurecht, dann
hat er eine arabische Erfindung in den Fingern. Spielt wieder ein einsamer
Barde rechte Protestsongs, dann vielleicht auf einem ursprünglich
arabischen Instrument - der Gitarre. Und auf den Transparenten werden die
angeblichen Zahlen des Schreckens in arabischen Ziffern geschrieben sein.
Die Huffington Post nennt Ihnen acht Dinge, die wir den großen
muslimischen Zivilisationen zu verdanken haben.
1. Das Ziffernsystem
Man sagt, die Deutschen seien ein Volk der Ingenieure. Doch was wären
Ingenieure ohne Zahlen? Unser heutiges Ziffernsystem von 1 bis 9 geht auf
das „Haus des Wissens“ in Bagdad zurück. Dort ist es vermutlich im
neunten Jahrhundert nach Christus entstanden.
Nach Europa kamen die Zahlen spätestens im zwölften Jahrhundert, als der
Brite Robert of Chester die Schriften des Gelehrten Al-Chwarismi
übersetzte. Al-Chwarismi gilt übrigens als Namensgeber des Algorithmus
und Entwickler der modernen der Algebra. Noch so eine Erfindung aus der
muslimischen Welt.
2. Die Zahnbürste
Der Islam war die erste Weltreligion, in der auf Körperhygiene größten
Wert gelegt wurde. Im Koran etwa gibt es Anweisungen für rituelle
Waschungen. Kaum verwunderlich, dass auch die Zahnpflege mit dem
Islam populär wurde. .
Einem breiten Publikum wurden die „Miswak“ genannten Zweige jedoch
erst bekannt, als der Prophet Mohammed sie regelmäßig zur Mundhygiene
nutzte. Im Koran findet sich zwar kein Hinweis auf die Miswak-Zeige,
wohl aber in vielen Schriften von muslimischen Gelehrten.
3. Marschkapellen
Die militärischen Marschkapellen gehen auf die osmanischen Mehterhane
zurück. Dabei handelte es sich um Musikgruppen, die während der
gesamten Schlacht spielten und erst beim Rückzug oder zum Ende der
Schlacht schwiegen.
Sie sollen zur Zeit der Türkenkriege auf die europäischen Soldaten einen
großen Eindruck gemacht haben – woraufhin sie das Prinzip für sich
adaptierten.

4. Die Gitarre
Die Gitarre, so wie wir sie heute kennen, stammt von der arabischen Oud
ab, einer Laute mit abgeknicktem Hals. Sie fand im Mittelalter den Weg
ins damals muslimische Südspanien, wo sie im andalusischen Arabisch
„qitara“ genannt wurde.
Ein Musiklehrer soll sie angeblich im neunten Jahrhundert an den Hof des
Umayyaden-Herrschers Abdel Rahman II. gebracht haben. Die moderne
Gitarre entwickelte sich zwar aus vielerlei Einflüssen, die arabische Laute
gilt aber als ihre wichtigste Vorgängerin.
5. Lupe/Brille
Nicht nur die Mathematik wurde in der arabischen Welt revolutioniert,
sondern auch die Optik. Der aus Basra stammende Gelehrte Alhazen (Abu
al-Hasan) war der erste, der die Funktionsweise des Auges erfasste.
Er führte Experimente mit reflektierenden Materialien durch und wies
nach, dass das Auge die Umgebung nicht mit „Sehstrahlen“ abtastet, so wie
es Wissenschaftler bis dahin geglaubt haben. Außerdem entdeckte er, dass
gewölbte Glasoberflächen zur Vergrößerung von Dingen dienen können.
Seine „Lesesteine“ aus Glas waren die ersten Lupen. Daraus entwickelte
sich später die Brille. Darüber hinaus verfasste Alhazen wichtige
wissenschaftliche Texte zur Astronomie und zur Meteorologie.

6. Kaffee
Der wohl bekannteste Exportartikel aus der muslimischen Welt ist Kaffee.
Ursprünglich stammte Kaffee zwar aus Äthiopien, fand aber rasch den Weg
über das Rote Meer auf die arabische Halbinsel und wurde dort populär.
Ein osmanischer Kaufmann soll den Bohnentrank im 17. Jahrhundert nach
London gebracht haben. In Venedig gab es schon 1645 das erste
Kaffeehaus, nach dem Rückzug der Türken 1683 aus Österreich wurde das
Getränk auch in Deutschland populär. Der Legende nach sollen die
Soldaten des Sultans säckeweise Kaffee zurückgelassen haben.

7. Krankenhäuser
Das erste moderne Krankenhaus mit Pflegern und einem
Ausbildungsbetrieb stand in Kairo. Im Ahmed Ibn Tulun-Krankenhaus
(benannt nach dem Begründer der Tuluniden-Dynastie), das im Jahr 872
gegründet wurde, erhielten alle Patienten eine kostenlose
Krankenversorgung – eine muslimische Tradition, die durch die Erfindung
des Krankenhauses institutionalisiert wurde.
Etwas einfachere Krankenhäuser gab es zuvor schon in Bagdad. Aber das
Kairoer Modell stand später Pate für Hospitäler rund um den Globus.
8. Chirurgie
Der in Andalusien geborene Arzt Albucasis (Abu al-Kasim) gilt als einer
der bedeutendsten Mediziner des Mittelalters. In einem mehr als 30 Bände
umfassenden Gesamtwerk beschrieb der arabische Wissenschaftler schon
im zehnten Jahrhundert, wie wichtig eine positive Patient-Arzt-Beziehung
ist und plädierte für eine klassenlose medizinische Behandlung, die für alle
Menschen gleich ist.
Ferner erfand er Methoden zur chirurgischen Behandlung von
Erkrankungen der Harnröhre, des Ohrs und der Speiseröhre und beschrieb
als erster eine Eileiterschwangerschaft. Sein Einfluss war derart groß, dass
er noch im 16. Jahrhundert von bedeutenden europäischen Medizinern
zitiert wurde. Seine Ideen prägten die moderne Chirurgie.